Zwei Lamborghini, eine Allee, zwei Jahreszeiten. Die Ginkgo-Allee in Meiji Jingu Gaien hat uns an einem grünen Sonntag einen schwarzen Countach geschenkt und an einem kahlen Winternachmittag einen lila Revuelto. Wer einen Lamborghini Countach in Tokio sucht, ist hier richtig. Der Rest dieser Strecke: ein Murciélago zwischen Bus und Lkw, eine D1-Lights-Silvia auf der Zielgeraden von Tsukuba, ein Chaser in einer Garage in Nagasaki. Kein Plan, eine Kamera, viele Kilometer zu Fuß.
Meiji Jingu Gaien: Revuelto und Countach unter Ginkgos
Die Ginkgo-Allee in Meiji Jingu Gaien ist Tokios inoffizielles Sonntagstreffen. Keine Tickets, kein Veranstalter: Besitzer parken am Bordstein und reden, alle anderen laufen die Reihe ab. Im Winter: kahle Bäume, eine Café-Terrasse und ein Lamborghini Revuelto in einem Lila, das im Vorbeigehen ins Blaue kippt, auf Bronzefelgen mit roten Bremssätteln. Der Revuelto ist Lamborghinis V12-Plug-in-Hybrid, vorgestellt 2023 mit 1.015 CV, und in Tokio fast schon Stammgast: Einen grünen haben wir in Neun aus dem Tokio-Archiv am Bordstein erwischt, dort steht auch ein Countach mit Mid-Night-Aufklebern von der Nostalgic 2days.


An einem grünen Sonntag ist dieselbe Allee ein anderer Ort. An dem Morgen, an dem wir filmten, standen nach unserer Zählung zwei Countach und rund zwanzig weitere Lamborghini am Bordstein. Das Handy lief sechs Sekunden lang, und in genau diesen sechs Sekunden fuhr der wichtigste Wagen vorbei: ein schwarzer Countach, der an einem roten Auto und einem weißen Toyota Alphard vorbei ausparkt. Kanten, großer Heckflügel, breite Kotflügel, gelbe Nebelscheinwerfer in der Nase. Dann die Allee hinunter Richtung Bürotürme, weg.
Welcher Countach es ist, können wir nicht sagen. Flügel und Verbreiterungen gehören zu den späteren Autos ab dem LP400 S, aber für die genaue Version bräuchte es einen längeren Blick auf die Embleme als sechs Sekunden. Also raten wir nicht. Warum er bis heute eine ganze Straße anhält, ist dagegen klar: Marcello Gandini zeichnete ihn bei Bertone, Lamborghini baute ihn von 1974 bis 1990, V12 hinter den Sitzen, Scherentüren, das Poster über dem Bett einer ganzen Generation. Fünfzig Jahre später, auf einer Straße, auf der ein neuer Revuelto kaum einen zweiten Blick bekommt, dreht sich jeder nach dem alten um.
Murciélago mit Flügel und ein Ferrari 812


Autobahnparkplatz, fliederfarbener Abendhimmel: Ein grauer Lamborghini Murciélago steht vorwärts ausgeparkt zwischen einem roten Reisebus und einem Lkw mit Alukoffer. Fester Heckflügel, Schriftzug-Banner über der Frontscheibe, dahinter ein blauer Honda S2000. So sind japanische Rastplätze: das exotischste Auto des Landes neben dem, was heute Nacht Gemüse fährt. Bei uns wäre das das Tankstellentreffen des Jahres.
Auf einer breiten Tokioter Straße an einer alten Steinmauer: ein dunkelblauer Ferrari 812 mit Bodykit, Lamellen über dem Heckdeckel und polierten Kreuzspeichenfelgen, auf derselben Spur wie eine Mercedes S-Klasse und ein Nissan Kei-Car.
Ginza und Ebisu: Phantom und Alphard


Ein weißer Rolls-Royce Phantom der achten Generation wartet in einer Seitenstraße von Ginza, ein Mann im Anzug öffnet die Tür. Bei Ebisu ein schwarzer Toyota Alphard der dritten Generation (AH30) mit grünem Gewerbekennzeichen, in Tokio der Mietwagen schlechthin, geparkt neben einer knallroten öffentlichen Toilette. Ja, Toilette: Das Projekt The Tokyo Toilet hat siebzehn Designer-Toiletten in Shibuya verteilt, und die sind einen Umweg wert.
Lotus mit GT-Flügel

Keine Türen, kein Dach, freistehende Motorradkotflügel vorn, offenes Heck: Für uns sieht das nach einem Lotus 340R aus, dem Roadster auf Elise-Basis von 2000. Dieser hier hat einen hohen Carbon-GT-Flügel mit Defi-Aufkleber und einen Auspuff, der direkt nach hinten rausgeht. Das unpraktischste Auto in dieser Geschichte, und das, das wir zuerst nehmen würden. Eintragung beim TÜV? Viel Glück.
D1 Lights auf dem Tsukuba Circuit

Unter der Brücke von Tsukuba Circuit Course 2000: ein schwarz-roter Nissan Silvia S13 mit D1-Lights-Banner auf der Frontscheibe, REAL-CARS-Folierung und Valino-Aufklebern, Startnummer 80 im hinteren Seitenfenster, dahinter zwei weitere Driftautos. Die D1 Lights ist die Nachwuchsserie des D1 Grand Prix; die Topklasse mit vollem Einsatz zeigt unsere D1GP-Geschichte aus Ebisu. In Tsukuba fuhr auch der Carbon-Soarer von AutoBahn seine Zeit.
Ein Chaser in Nagasaki
Das letzte Bild ist das ruhigste und vielleicht unser liebstes. Ein dunkelblauer Toyota Chaser JZX100 Tourer V mit Kennzeichen aus Nagasaki, abgestellt in einer Betongarage unter einem Wohnblock. Der Tourer V ist der mit dem 1JZ-GTE-Turbo-Reihensechser, der, den jeder Drifter will. Dieser hier ist, nach Werksemblemen und schlichtem Heck zu urteilen, noch jemandes Alltagsauto. Unten auf Kyushu fanden wir übrigens auch den Alitalia-Lancia Stratos.
Fotos und Video: One Breath Pictures.


Kommentare