Zwei Countach und rund zwanzig weitere Lamborghini, so zählte unsere Bildunterschrift an diesem Sonntag. Wer Supersportwagen in Tokio sehen will, muss nicht auf eine Messe warten: Er stellt sich am Wochenende an eine Ginkgo-Allee in Meiji Jingu Gaien und wartet. Die Messlatte liegt dort irgendwo bei „Poster-Auto aus den Siebzigern“, und nach oben ist Luft. Unser Handy hat einen der beiden Countach erwischt, und den zeigen wir dir.

Der schwarze Lamborghini Countach
Grüne Blätter, grauer Himmel und diese Silhouette. Der schwarze Countach in unserem Clip trägt den großen Heckflügel, den Käufer der späteren Autos bestellen konnten, und er kroch im Schritttempo vorbei, damit jeder sein Foto bekam. Marcello Gandini zeichnete den Countach bei Bertone, Lamborghini baute ihn von 1974 bis 1990, und er ist bis heute der Keil, an dem jeder Supersportwagen gemessen wird. Unser Clip ist eine kleine Handydatei, das Bild ist entsprechend weich. Aber einen Countach weglassen? Sicher nicht.
Wo der Spot liegt und wie er funktioniert
Meiji Jingu Gaien ist der äußere Garten des Meiji-Schreins, zwischen Aoyama und Shinanomachi. Die berühmte Allee, Icho Namiki, zieht sich rund 300 Meter zwischen zwei Reihen Ginkgobäumen auf die Kuppel der Meiji Memorial Picture Gallery zu. Ein organisiertes Treffen gibt es nicht. Wer ein interessantes Auto besitzt, weiß einfach, dass man hier am Wochenendvormittag langsam fährt, kurz parkt und Tokio gucken lässt. Am Bordstein stehen die Spotter mit Kameras und Handys, die Autos kommen einzeln oder zu zweit. Eine Art Tankstellentreffen ohne Tankstelle, und mit deutlich mehr Zylindern pro Auto.
Ferrari 296 GTS an einem grauen Tag
Bei einem trüberen Besuch kam ein blauer Ferrari 296 GTS durch, das Klappdach offen, innen cremefarbenes Leder. Der 296 ist Ferraris Plug-in-Hybrid mit Biturbo-V6, laut Ferrari der erste Sechszylinder für die Straße mit dem Cavallino auf der Haube (die Dino der Sechziger und Siebziger trugen ihren eigenen Namen), und der GTS ist die offene Version. Hellblau vor dunklem Backstein: sehr gute Kombination.
Der Tag, an dem die Polizei den Spot schloss

Im Winter sieht das anders aus. Unser Reel von diesem Tag, gepostet im Februar 2026 mit der Zeile „POV: Tokyo Police shut the car meet“, beginnt auf einer Straße außerhalb der Allee: Ein schwarz-weißer Toyota-Crown-Streifenwagen rollt mit eingeschaltetem roten Lichtbalken auf uns zu, weitere folgen. Unser Material zeigt keine Rennen und keine Festnahmen, nur die Streifenwagen, die sich die Straße entlang arbeiten. In der letzten Einstellung stehen auf der Allee nur noch Taxis und ein paar geparkte Limousinen, und ein Mann geht mitten auf der leeren Fahrbahn.

Der kleinste Star: Honda Beat
Ein Auto haben wir an diesem Tag trotzdem noch erwischt, und es war das kleinste von allen: ein roter Honda Beat, geparkt unter den kahlen Bäumen, Stoffverdeck geschlossen. Honda baute den Beat von 1991 bis 1996, ein Mittelmotor-Zweisitzer, hineingequetscht in Japans Kei-Car-Regeln, mit 656-cm³-Dreizylinder. An einem Ort voller V12 zeigten genauso viele Handys auf ihn.
Tipps für deinen Besuch
Früh am Wochenende hingehen, auf dem Gehweg bleiben und Geduld mitbringen: An manchen Vormittagen gibt es einen Countach, an anderen einen Beat und einen Streifenwagen. Beides zählt. Im Spätherbst färben sich die Ginkgos golden, und dann füllt sich die Allee neben Spottern auch mit Ausflüglern. Mehr von dem, was Tokios Straßen so hergeben, findest du in unseren elf Bildern aus Tokio, beim Car Spotting in Japan mit Countach und Revuelto und in Nissan Skylines in Tokio.
Fotos und Video: One Breath Pictures.


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