Jeder Autofan braucht ein Projekt, das auf dem Papier keinen Sinn ergibt. Unseres ist ein Mitsubishi Delica L400, der Space Gear: ein japanischer Van mit Allradantrieb und Turbodiesel, gebaut für Camping, Schlamm und lange Strecken, und ein paar Jahre zu lange bei uns abgestellt. Teil 1 unserer Mitsubishi Delica L400 Restaurierung siehst du im Video oben. Hier die Kurzfassung für Schrauber.
Der Van: Delica Space Gear mit 4M40
Der Delica L400 wurde in Japan von 1994 bis Mitte der 2000er verkauft. Unserer hat den 2,8-Liter-Turbodiesel 4M40 mit Ladeluftkühler, aus derselben Motorenfamilie, die Mitsubishi im Pajero und im leichten Lkw Canter verbaute, mit je nach Baujahr rund 125 bis 140 PS. Der Space Gear mit Allrad nutzt Mitsubishis Super-Select-System mit Straßen- und Geländeuntersetzung.
Er hat außerdem das Extra, bei dem Delica-Besitzer lächeln: das Crystal Lite Roof, eine Reihe Glasscheiben quer über das Dach. Rücksitze flach legen, und man schläft unter den Sternen. Dazu kam er auf Volk-Racing-Felgen, allerdings mit Reifen, die etwa fünfzehn Jahre alt sind.
Quellen: Wikipedia: Mitsubishi 4M4 engine und JDM Buy Sell: Delica Space Gear.
Was alles kaputt ist
Einiges. Ein Stein hat die Heckscheibe zerschlagen (der Ersatz liegt schon im Regal). Zwei der sechs Buchstaben auf der Heckklappe sind abgefallen. Frontstoßstange, Rammschutz und Rahmenträger sind rostig, und die schönen IPF-Nebelscheinwerfer „Super Off Roader“ sind rund ums Glas angerostet. Am meisten Sorgen macht: Unter Last klopft der Motor, und im Gang zieht er kaum über 20 bis 30 km/h. Verdächtig sind bisher die Einspritzpumpe und der Steller des Turbos. Wer diese Motoren kennt: Die Kommentare sind offen.
Teil 1, Tag für Tag
- Front ab. Stoßstange, Frontträger, Scheinwerfer, Nebelscheinwerfer und Rammschutz kommen ab, rostige Schraube für rostige Schraube. Beim Rammschutz musste am Ende die Säge ran.
- Kotflügel ab. Eine Delle hinter dem vorderen Kotflügel wird ausgebeult, und jede rostige Schraube wird durch neue ersetzt.
- Motorraum sauber. Eine billige Mischung aus Diesel, Seife und Wasser, danach abspülen, löst jahrelanges Öl; die Elektrik bleibt für die nächste Runde in Alufolie eingepackt.
- Türschloss. Die automatische Zuziehhilfe der Schiebetür bekommt ein neues Schloss, ein Verkabelungsrätsel ist noch offen.
- Turbo. Kühlmittel- und Ölleitungen sind ab; zwei festgerostete Schrauben bedeuten, dass der Turbo in der nächsten Folge rauskommt, womöglich, indem wir das Abgasrohr durchtrennen.
Der Plan
Neue Dichtungen oben am Motor und frische Flüssigkeiten überall, eine überholte Lichtmaschine, hinten Umbau von Trommel- auf Scheibenbremsen, ein überholter Turbo (vielleicht mit etwas größeren Innereien), ein stabilerer Frontbügel mit Seilwinde, ein Ölabscheider, Parksensoren und ein Zweitbatterie-Kit. Für die hinteren Bremssättel steht ein Pajero als Rechtslenker auf einem Schrottplatz in der Nähe, was in Kanada fast unerhört ist.
Warum Delicas in Kanada auftauchen
Kanada lässt Autos ins Land, sobald sie 15 Jahre alt sind, deshalb kommen dort immer wieder japanische Vans mit Rechtslenkung an. Quebec ist strenger: Ein Rechtslenker muss dort mindestens 25 Jahre alt sein, um auf öffentlichen Straßen fahren zu dürfen. Wer in Deutschland schon einmal eine Eintragung beim TÜV durchgezogen hat, wird das Prinzip kennen: Papier zuerst, Spaß danach.
Quellen: Transport Canada und SAAQ: Fahrzeuge mit Rechtslenkung.
Nächstes Mal: Der Turbo kommt raus. Noch ein JDM-Projekt mit langer Geschichte gibt es bei unserem Rundgang durch Fat Five Racing, und wer Teile in Japan braucht, findet sie mit unserem Guide zu A PIT Autobacs Shinonome.
Video: One Breath Pictures.
Kommentare