Das Erste, was uns auffiel, war nicht der Flügel. Es war das Kennzeichen: deutsch, rechts mit der kleinen 04 und der 10, also ein Saisonkennzeichen, auf der Straße erlaubt von April bis Oktober. Ein Rennauto für die Sommermonate, sozusagen. Darüber ein Heckflügel auf hohen Stützen, eine Trikolore über das Dach und ein Lack in tiefem Lila. In unserer Bildunterschrift hieß das Auto Ferrari 360 N-GT („F360 N-GT“, darunter drei Lautsprecher-Emojis), und auf dem Messebeton von ULTRACE 2025 sah man, wie gut das ankam: Ein Fotograf kauerte mit erhobenem Objektiv an einem Pflanzkübel, ein Dutzend Leute filmte hinter ihm mit dem Handy, und von der Seite beugten sich noch ein paar herein, um den Flügel ins Bild zu bekommen.
Was ist ein Ferrari 360 N-GT?
Der 360 Modena kam 1999 als Ferraris V8-Mittelmotorcoupé, mit Alu-Chassis und 3,6-Liter-V8. Neben dem Straßenauto und dem Markenpokal-Renner Challenge ließ Ferrari den italienischen Rennwagenbauer Michelotto eine GT-Rennversion für die FIA-Klasse N-GT entwickeln, die Anfang der 2000er in der FIA-GT-Meisterschaft fuhr. Diese Autos kennt man als 360 N-GT. Echte Wettbewerbsgeräte, mit festen Flügeln, ausgeräumtem Innenraum und Schnelltanksystem.
Genau das behauptet unsere Bildunterschrift. Die Geschichte des Autos haben wir vom Besitzer nicht bekommen. Ob es ein ehemaliges Meisterschaftsauto ist, ein auf N-GT-Spezifikation hochgerüsteter Challenge-Wagen oder ein Straßen-360 in diesem Stil, können wir also nicht sagen, und wir raten auch nicht. Sicher ist: Er ist für die Straße zugelassen, und er sah in jedem Detail so aus, wie er aussehen soll. Wie das mit der Eintragung gelaufen ist, hätten wir trotzdem gern gewusst.
Die Details: Flügel, Felgen, Tankdeckel
Wir haben ihn von hinten und von oben gefilmt, so wie ihn die meisten sahen. Die Liste, nichts hinzugefügt:
- Lack. Ein tiefes Metallic-Lila, das im Schatten fast schwarz wirkt.
- Flügel. Ein großer, fester Heckflügel auf hohen Stützen, über die volle Breite des Hecks.
- Streifen. Ein grün-weiß-rotes Trikolore-Band über Dach und Motorabdeckung bis hinunter aufs Heckblech.
- Motorabdeckung. Durchsichtige Lamellen über dem V8, man schaut direkt in den Motorraum.
- Tankdeckel. Ein runder Schnelltankverschluss im hinteren Seitenteil, hinter dem Seitenfenster.
- Felgen. Goldene Felgen mit vielen Speichen.
- Auspuff. Die typischen runden Doppelendrohre des 360, zwei pro Seite.
- Kennzeichen. Deutsche Zulassung mit kleiner 04 und 10 rechts: Saisonkennzeichen, April bis Oktober.

Warum er bei ULTRACE 2025 so auffiel
ULTRACE, Ende Juni 2025 rund um die Tarczyński Arena in Wrocław, ist ein kuratiertes Treffen: knapp tausend Autos, ausgewählt aus Tausenden Bewerbungen, wie wir in unserem Bericht zu ULTRACE 2025 in Wrocław erklärt haben. Der Großteil des Feldes ist getuntes Blech aus Japan und Deutschland. Ein lila Italo-Renner mit Goldfelgen sticht da so heraus wie ein Hakosuka beim Ferrari-Clubtreffen. Allein war er trotzdem nicht: Am selben Wochenende stand dort auch der BMW E36 M3 mit Judd-V8 von Georg Plasa, ein weiteres Rennauto, das irgendwie zwischen die Showautos geraten war, und das Art Car und der Kaido Racer aus unseren ULTRACE-2025-Postkarten.
Fazit
Rennautos auf Treffen stehen meistens hinter Absperrband und schweigen. Dieser hier stand offen da, die Leute hätten den Flügel anfassen können, und genau so sollte man so ein Auto sehen. Falls er wirklich einer der Renn-360 ist, gehört er zu den seltensten Ferrari seiner Generation, und er parkte ein paar Meter neben einem Bambuskübel in Polen.
Fotos und Video: One Breath Pictures.

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